Zu guter Letzt
Bellmont kämpft sich von Cham an die Darts-Spitze
Dartsspieler Stefan Bellmont will am kommenden Wochenende am PDC-Turnier in Basel bei den Zuschauern durch seine Würfe Euphorie auslösen. Foto: Instagram Stefan Bellmont
Stefan «Belli» Bellmont ist der erfolgreichste Schweizer Dartspieler. Der 37-jährige Chamer besitzt eine PDC Tour Card und misst sich mittlerweile regelmässig mit der internationalen Spitze.
Vom Dartsport entdeckt in Cham bis auf die grosse internationale Bühne: Stefan «Belli» Bellmont hat sich seinen Weg über viele Jahre erarbeitet. Heute trainiert er in seinem eigenen Darts-Zentrum in Cham und tritt bei den grossen PDC-Turnieren gegen die besten Spieler der Welt an. Vor der Swiss Darts Trophy in Basel spricht Bellmont über seinen Weg, den Umgang mit Druck und darüber, weshalb auch im Darts kleine Ziele zum grossen Erfolg führen können.
Herr Bellmont Sie sind in Cham aufgewachsen und haben hier Ihr Darts-Zentrum aufgebaut. Was hat Ihnen der Kanton Zug auf Ihrem Weg zum internationalen Spitzenspieler mitgegeben?
Ich habe in Cham auch meine Lehre als Koch gemacht. Der Kanton Zug hat mich aber nicht direkt an die Dartsspitze begleitet. Hier habe ich zwar den Dartsport entdeckt, den Weg dorthin habe ich mir in den vergangenen zehn Jahren jedoch selbst aufgebaut – zusammen mit den Menschen, die mich dabei begleitet und unterstützt haben.
Das war einerseits nur möglich, weil ich viele Turniere gespielt habe. Andererseits habe ich daneben immer gearbeitet habe. Mit meinem eigenen Darts-Zentrum hier in Cham habe ich für mich nun die optimale Lösung gefunden. Ich kann tagsüber trainieren und abends hier hinter der Bar arbeiten.
Darts wirkt von aussen ruhig: Man steht an der Scheibe und wirft. In entscheidenden Momenten geht es aber um enorme Konzentration und Nerven. Was passiert in Ihrem Kopf, wenn Sie wissen: Dieser eine Dart kann über Sieg oder Niederlage entscheiden?
Die mentale Komponente spielt im Darts sicher eine tragende Rolle. Trotzdem darf man sich als Spieler nicht zu sehr in solchen Gedanken verlieren. Jeder Spieler hat seine eigenen Routinen und Abläufe. Es kann sein, dass man bei einem Turnier voll in einen Flow kommt und ein grossartiges Spiel spielt. Andererseits kann es auch sein, dass überhaupt nichts läuft und plötzlich das Gegenteil passiert.
Wichtig ist, die eigenen Fehler zu analysieren und es beim nächsten Mal besser zu machen. Natürlich ist der Druck da, wenn man vor der Scheibe steht und weiss: Jetzt geht es um den Sieg. Für mich ist es aber entscheidend, dass ich mein Ding durchziehe und mich von niemandem aus dem Tritt bringen lasse.
Sie standen unter anderem Michael van Gerwen gegenüber, einem Spieler, der seit Jahren auf der ganz grossen Bühne steht. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Ihnen ein solcher Spieler gegenübersteht – und wann wird aus dem grossen Namen einfach wieder der Gegner?
Als ich Mal Michael van Gerwen gegenüberstand, dachte ich schon: Wow, jetzt kommt einer der Top-Top-Cracks. Da ist man natürlich etwas nervöser als sonst. Vor allem, wenn die Spieler auf die Bühne kommen und die Musik dazu erklingt. In diesem Moment gehört sicher eine Portion Respekt dazu. Danach muss man aber wieder versuchen, sich auf die eigenen Darts zu konzentrieren. Klar steht man einem grossen Spieler gegenüber, aber man ist auch dort, um sich auf dieser Bühne zu zeigen. Am Ende zählt das eigene Spiel. Man muss sich bewusst sein, dass jedes Spiel gewonnen werden kann – egal, ob man auf nationaler oder internationaler Bühne spielt.
Der Fokus muss da sein. Und damit verbunden auch der Flow, in dem ich mein Darts spielen kann.
Spieler wie Luke Littler zeigen, wie jung die internationale Spitze inzwischen sein kann. Was hat sich im Dartsport verändert, seit Sie selbst angefangen haben, und was braucht es, um Profi zu werden?
Um Dartsprofi zu werden, braucht es viel. Man muss hart trainieren und sich bewusst für diesen Weg entscheiden. Das habe ich hier gemacht. Ich habe mir immer wieder Ziele gesetzt, die ich über kürzere oder längere Zeit erreichen kann. Ich wollte zum Beispiel der beste Schweizer Dartspieler werden – mittlerweile bin ich das. Ein weiteres Ziel war und ist es, Schweizer Meister zu werden. Das sind Ziele, an denen man sich als Sportler messen kann. So kann man sich Schritt für Schritt weiterentwickeln, bis man irgendwann auch international für Aufsehen sorgt und vielleicht im berühmten Ally Pally an der Weltmeisterschaft spielen kann. Was die Weltspitze des Darts betrifft, ist es sicherlich so, dass sie jünger geworden ist. Man muss aber auch beachten, dass in Grossbritannien oder den Niederlanden viel in den Dartsport investiert wird, zum Beispiel in Darts-Akademien, in denen junge Spieler gefördert werden. Sie können früh an Turnieren teilnehmen und dort wertvolle Erfahrungen sammeln.
Dazu kommt, dass es immer mehr gute Dartspieler gibt. Es sind längst nicht mehr nur drei oder vier Top-Cracks, gegen die man spielen muss. Mittlerweile gibt es viele Spieler, die auf einem wirklich hohen Niveau spielen.
Die grossen Darts-Nationen liegen vor allem in Grossbritannien und Nordeuropa. Sie kommen dagegen aus Cham. Was braucht es, damit sich ein Schweizer Spieler international durchsetzen kann?
Es braucht kleine Ziele, die man sich als Spieler setzt und Schritt für Schritt erreichen kann. Dazu kommt, dass es Zeit braucht. Bei mir hat es zehn Jahre gedauert, bis ich meinen Weg an die jetzige Position geschafft habe. Ich hoffe für die Zukunft, dass es für einen Schweizer Spieler vielleicht einmal etwas einfacher wird, diesen Weg zu bestreiten. Ich sehe mich dabei schon als eine Art Zugpferd für den Schweizer Dartsport. Gleichzeitig braucht es die Unterstützung von sehr vielen Leuten im Hintergrund.
Länder wie Grossbritannien, die Niederlande oder Belgien haben entsprechende Strukturen und investieren viel in den Dartsport. Davon kann der Schweizer Dartsport sicherlich noch profitieren.
Am kommenden Wochenende vom 9. bis 12. Oktober findet mit der Swiss Darts Trophy in Basel wieder ein grosses PDC-Turnier in der Schweiz statt. Was bedeutet ein solches Turnier für Sie persönlich und woran würden Sie am Ende des Wochenendes merken, dass es für Sie ein gutes Turnier war?
Bei der ersten Ausgabe der Swiss Darts Trophy vor drei Jahren war die Halle bereits am Freitagnachmittag voll. Da hat man schon gemerkt, dass die Darts-Euphorie in der Schweiz angekommen ist. Das Turnier in Basel ist für mich deshalb ein grosses Highlight, und ich freue mich darauf. Bei meinen Erwartungen denke ich in Schritten. Ich möchte mich qualifizieren, auf der Bühne stehen und dort um eine gute Platzierungen kämpfen. Das ist mein Ziel. Und natürlich möchte ich auch die heimische Atmosphäre geniessen.
Wenn Sie irgendwann auf Ihre Karriere zurückblicken: Was soll stärker in Erinnerung bleiben – die Titel und grossen Spiele oder das, was Sie mit Ihrem Darts- Zentrum in Cham und für den Schweizer Dartsport aufgebaut haben?
An ein Karriereende denke ich noch nicht. Ich möchte vielmehr weiter Darts spielen und international noch erfolgreicher werden. Ich habe im Moment eine PDC Tour Card, die mir für zwei Jahre die Teilnahme an internationalen Turnieren ermöglicht. Dadurch kann ich an den PDC-Turnieren teilnehmen. Das ist eine riesige Erfahrung.
Im Darts gibt es zudem nicht das eine Alter, in dem man seine Karriere beenden muss. Man kann diesen Sport sehr lange auf hohem Niveau betreiben und ist nicht wie im Fussball oder in anderen Sportarten irgendwann automatisch gezwungen, aufzuhören. Deshalb möchte ich noch möglichst lange weiterspielen und sehen, was international noch möglich ist.
Am Ende lege ich den Wert schon mehr auf das Ausland und damit auf die internationale Bühne. Gleichzeitig habe ich mir hier mit dem Bellis Darts House und meinen Leuten etwas Tolles aufgebaut. Das unterstützt mich und gibt mir den nötigen Rückhalt.
Michael Schwegler
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