Zu guter Letzt
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Für Fabienne Gyr gehören Erschöpfung und Zweifel genauso zur Elternrealität wie Glück, Nähe und besonderen Momente mit dem eigenen Kind. Foto: SRF/Gian Vaitl
Fabienne Gyr spricht offen über ihr Leben als Mutter. Die SRF-Moderatorin aus Oberägeri erzählt von Schlafmangel und der Herausforderung, allen gerecht zu werden.
Fabienne Gyr (38) kennt man aus dem «Samschtig-Jass» und vom «Sportpanorama». Im vergangenen Jahr wurde es um die SRF-Moderatorin zeitweise ruhiger, aus schönem Grund: Sie ist Mami geworden. Inzwischen steht Gyr längst wieder vor der Kamera. Doch wie fühlt sich das Leben zwischen Fernsehstudio, Familie und einer kleinen Tochter eigentlich an?
Gegenüber Nau.ch zieht die 38-Jährige nach rund eineinhalb Jahren als Mutter Bilanz. Und spricht offen über die schönen, aber auch kräftezehrenden Seiten ihres neuen Alltags. Unterstützt wird sie dabei von Ehemann Mario Gyr (41), der selbst kein Unbekannter ist: Der ehemalige Spitzenruderer holte 2016 in Rio Olympia-Gold.
«Eigentlich hat sich alles komplett verändert», sagt Gyr. Wenn sie nicht arbeitet, bestimmt Tochter Ella den Rhythmus. Dann geht es gemeinsam aufs Velo oder bei schlechtem Wetter auch mal ins Ägeri-Bad, während daneben natürlich auch der ganz normale Alltag weiterläuft.
«Es muss gewaschen werden, es muss geputzt werden, es muss eingekauft werden», erzählt sie. Ella nimmt sie bei solchen Dingen einfach mit. So entsteht ein Alltag, der sich zwar stark nach ihrer Tochter richtet, in dem aber vieles seinen Platz behält, was schon vor der Geburt dazugehört hat. Auch ihr Verhältnis zum Beruf hat sich verändert, allerdings nicht, weil ihr die Arbeit weniger bedeutet. Im Gegenteil. «Ich geniesse es einfach noch mehr, wenn ich mal einen Tag arbeiten kann.»
Besonders bei den Produktionen des «Samschtig-Jass» taucht sie komplett in die Fernsehwelt ein. Dann kann sie sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren und genau das tun, was sie an ihrem Beruf liebt.
Gleichzeitig merkt Gyr, dass sie Beruf und Familie heute klarer trennt als früher. Wenn sie arbeitet, ist sie ganz bei der Arbeit. Zu Hause versucht sie dagegen, möglichst wenig Berufliches mitzunehmen.
«Wenn wir Familienzeit haben, ist es das Schönste, was es gibt.»
Wie wichtig ihr diese Zeit ist, spürt sie besonders, wenn sie mehrere Tage am Stück für SRF arbeitet und auch am Wochenende unterwegs ist. Dann fehlt ihr die gemeinsame Zeit mit ihrem Mann und ihrer Tochter deutlich.
Auf vieles fühlt sich Gyr vor der Geburt zumindest theoretisch vorbereitet. Viele ihrer Freundinnen haben Kinder, auch ihr Bruder ist Vater. Und trotzdem merkt sie erst mit dem eigenen Kind, was Elternsein wirklich bedeutet. Dazu gehören die vielen Gedanken und Sorgen, aber auch die ganze Organisation.
«Der ganze Mental Load. Wer koordiniert alle Termine? Was müssen wir noch erledigen? Was muss das Kind haben?»
Gleichzeitig erlebt sie Momente, auf die einen wohl niemand wirklich vorbereiten kann. Etwa wenn Ella etwas Neues lernt, «Mami» sagt oder ihre Mutter voller Freude umarmt. «Wenn man das das erste Mal erlebt, ist das einfach unglaublich.»
Im Alltag hilft, dass viele Arbeitseinsätze von Gyr lange im Voraus feststehen. Ihr Mann Mario hat einmal pro Woche einen Papi-Tag und übernimmt auch an Wochenenden, wenn sie arbeitet. Ist er zu Hause, ist er auch im Alltag mit Ella präsent, beschäftigt sich mit ihr und bringt sie ins Bett. So kann Gyr am Abend auch einmal arbeiten, ins Fitness gehen oder mit Freundinnen essen.
Unterstützung bekommt die Familie zudem von den Schwiegereltern, Freunden und ihrem Bruder, später könnte auch eine Kita zum Thema werden. Bis jetzt funktioniert die Organisation aber gut, flexibel und gemeinsam.
So viel Freude ihr das Leben mit Ella heute macht, die erste Zeit nach der Geburt hat Gyr als sehr fordernd erlebt. «Ich finde, die ersten Monate nach der Geburt sind extrem schwierig und herausfordernd und anstrengend gewesen.»
Schlafmangel, die komplette Umstellung und die Verantwortung für ein Baby haben viel Kraft gekostet. Mit der Zeit sei sie aber immer mehr in ihre neue Rolle hineingewachsen, erzählt Gyr. Etwa ab dem sechsten bis achten Monat habe sich vieles eingespielt.
Je mehr von Ella zurückkommt, desto stärker kann sie die gemeinsame Zeit geniessen. Heute empfindet Gyr die Beziehung zu ihrer Tochter deshalb ganz anders als noch in den ersten Monaten.
Sie sei «mega happy», dass sie und ihr Mann sich auf dieses Abenteuer eingelassen hätten. Trotzdem ist ihr eines wichtig: «Man darf auch nicht alles immer nur zu schön reden.»
Cheri Reinhardt
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