Zu guter Letzt
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Ardon Jashari im Glasgower Hampden Park beim Sieg gegen Schottland. Foto: Genti Tahiri (SFV)
Die Schweizer Nati gewinnt auch ohne Granit Xhaka. Der Baarer Ardon Jashari fühlt sich in den grossen Fussstapfen des abwesenden Nati-Captains pudelwohl.
Wäre die Geschichte normal verlaufen, hätte sich der Baarer Ardon Jashari (24) in Nordmazedonien, der Heimat seiner Eltern, auf ein paar Einsatzminuten beim ersten Gruppenspiel der Schweizer in der Uefa Nations League freuen dürfen – als Joker für den unbestrittenen Captain Granit Xhaka oder dessen gesetzten Sekundanten Remo Freuler im defensiven Mittelfeld. Die meisten Experten sind sich seit Jahren einig: Für Jashari, den Profi des italienischen Traditionsklubs AC Milan, ist neben den beiden Stammspielern im Zentrum des Schweizer Mittelfeldes kein Platz.
Im WM-Achtelfinal gegen Kolumbien versuchte Nati-Coach Murat Yakin im vergangenen Sommer zwar für einmal, Xhaka, Freuler und Jashari miteinander laufen zu lassen – er brach das Experiment in der Pause ab, Jashari durfte duschen gehen. Xhaka steht vor dem Start der Uefa Nations League bei 152 Länderspielen, Freuler bei 94.
Und Jashari? Der kommt seit seinem Debüt vor vier Jahren vor dem Start zur diesjährigen Uefa Nations League in elf Spielen gerade mal auf insgesamt 356 Minuten Einsatzzeit. Nur dreimal steht Jashari in der Nati in der Startformation.
Für Jashari definitiv Schnee von gestern. Denn der bisherige Nati-Captain Xhaka schreibt Jasharis Geschichte (wohl) eher unfreiwillig um. Und wie! Kurz vor dem Trainingslager im türkischen Belek kommt raus, dass sich Xhaka während der Corona-Pandemie ein gefälschtes Covid-Impfzertifikat erschlichen hatte. Der charismatische Leader der Nationalmannschaft muss sich deshalb vor einem Luzerner Gericht verantworten. Xhaka und die Spitze des Schweizerischen Fussballverbandes entschieden, die vier ersten Spiele in der Uefa Nations Leauge ohne den Kopf der Mannschaft zu bestreiten. Von Anfang ist damit klar: Jetzt schlägt in der Nati die Stunde von Jashari! Der «Blick» titelt: «Für Jashari ist es jetzt Zeit zu glänzen».
Am 26. September betritt Jashari als Ersatz von Xhaka die internationale Bühne. Und dies ausgerechnet in der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje, der Heimat seiner Eltern. Jashari sagt zu «20 Minuten»: «Es ist sicherlich ein emotionales, aber schönes Spiel für mich. Ich erwarte viele Freunde und Familie am Spielfeldrand. Ich hoffe, dass die mazedonischen Fans anständig zu mir sein werden. Ich hoffe, es gibt keine Pfiffe.» Die Sorgen sind umsonst.
Ohne Xhaka, dafür mit Jashari in der Schaltzentrale landen die Schweizer einen überzeugenden 3:0-Sieg zum Start in die Kampagne, die zum Schluss den Wiederaufstieg in die A-Liga und damit einen besseren Platz für die Gruppenauslosung zur EM 2028 bringen soll.
Nach dem Spiel in Skopje sagt Yakin an der Pressekonferenz über Jashari: «Er hat seine Aufgabe sehr gut erfüllt. Er war die Schaltzentrale, defensiv sehr engagiert, auch offensiv hat er sehr gute Bälle in die Spitze geschlagen und in die Schnittstelle gespielt – es hat Freude gemacht, ihm zuzuschauen.» Einziger Kritikpunkt am Xhaka-Ersatz? Yakin. «Ein-, zweimal war Ardon zu hastig und hat zu schnell die Entscheidung gesucht.»
Die Harmonie zwischen Freuler und Jashari ist im ganzen Spiel zu sehen. Die beiden tauschen sich ab, wer in die Offensive geht, oder wer nach hinten absichert. Auf SRF betont Jashari danach, dass es ihm nicht erster Linie darum gegangen sei, Xhaka zu ersetzen. «Ich habe versucht, einfach meine Qualitäten auf den Platz zu bringen und dem Team zu helfen und nicht, Granit zu ersetzen.» Jasharis neuer Mittelfeldpartner Freuler macht mit seinem Treffer zum 1:0 schon früh den Dosenöffner.
Jashari überzeugt auch beim zweiten Startelf-Einsatz, beim 3:0-Sieg im Glasgower Hampden Park gegen Schottland am Dienstag vor einer Woche.
Die Rückkehr nach Luzern, ins Stadion, indem Jashari bis zu seinem Wechsel zu Club Brugge im Sommer 2024 als Captain des FCL spielte, hätte sich der Baarer am vergangenen Samstag aber leicht anderes vorgestellt. Bereits nach 88 Sekunden liegen die Schweizer gegen Slowenien mit 0:1 hinten. Jashari nach dem Spiel: «Das war im ersten Moment ein Schock, dass wir da in Rückstand geraten sind. Aber das hat uns gar nicht aus der Balance gebracht.» Jashari & Co. drehen das Ding. Am Schluss jubelt man in der Innerschweiz über einen 2:1-Sieg, den dritten im dritten Spiel mit Jashari in der Schaltzentrale. Der Milan-Söldner: «Wir haben sofort wieder den Fussball gespielt, den wir von der ersten Sekunde an spielen wollten, und das Spiel dominiert.» «Und», sagt Jashari noch wie ein Routinier, «diese Ruhe haben wir uns über die letzten Jahre erarbeitet und erkämpft.»
Jashari wiederholt nach Spielschluss, was er die letzten zehn Tag gebetsmühlenartig sagte: «Xhaka ist Xhaka, Jashari ist Jashari».
Murat Yakin am vergangenen Samstag über die Leistung des Xhaka-Ersatzes Jashari: «Ardon ist ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler. Er gestaltet das Spiel mit, zeigt viel Präsenz. Bei den Abspielen muss er vielleicht noch etwas geduldiger sein, aber er wird von Spiel zu Spiel mehr Erfahrung sammeln.» Yakin erwähnt auch die vielen gewonnenen Zweikämpfe des Baarers und sagt: «Es ist klar, er ist ein sehr wertvoller Spieler für uns.»
Auf seinem Instagram-Portal schreibt Jashari am Sonntagnachmittag: «3 Spiele, 3 Siege, was für eine Art, um nach Hause zu kommen.»
Max Kern
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