Innovationen
Das Team Greenola will zeigen, dass Nachhaltigkeit auch richtig gut schmecken kann
Neun Teams der Kantonsschule Zug wagen sich ins Unternehmertum: Im Programm YES gründen die Jugendlichen eigene Mini-Unternehmen, entwickeln Produkte und suchen Investoren. Zum Start präsentierten sie ihre Geschäftsideen einem neugierigen Publikum.
Vom Klassenzimmer auf den Markt: An der Kantonsschule Zug haben neun Schülerteams ihre eigenen Mini-Unternehmen gegründet. Im Rahmen des Programms YES – Young Enterprise Switzerland haben sie während einer Studienwoche ihre Geschäftsideen auf die Beine gestellt. Sie entwickelten Produkte, tüftelten an Vermarktungsstrategien und machten sich mit den Herausforderungen des Unternehmertums vertraut. Dabei mussten sie verschiedene Rollen übernehmen.
Am 1. Oktober wurde es dann ernst: In der Aula der Kantonsschule Zug fiel mit der Eröffnungsveranstaltung der offizielle Startschuss für den Wettbewerb. Vor Publikum präsentierten die neun Teams ihre Unternehmen. Die Jugendlichen mussten zeigen, dass hinter ihren Ideen auch ein tragfähiges Geschäftsmodell steckt – und dafür um Kapital werben.
Wie bei einem echten Start-up ging es deshalb nicht nur um ein gutes Produkt, sondern auch um die Frage: Wer glaubt an die Idee und ist bereit, darin zu investieren? Jedes der neun Teams bot Partizipationsscheine im Wert von 15 Franken an. Damit konnten sie bis zu 200 Partizipationsscheine pro Mini-Unternehmen an das Publikum bringen. Alle Teams konnten genügend Partizipationskapital aufnehmen. Die Beträge reichen von rund 700 Franken bis zum Maximalbetrag von 3000 Franken. Nun steht für die neun Teams die nächste Phase an: Sie müssen ihre Geschäftsideen weiterentwickeln, ihre Produkte vermarkten und sich im weiteren Verlauf des Wettbewerbs behaupten.
Das Team Greenola verwandelt ein Nebenprodukt des Bierbrauens in knuspriges Granola. Wir sprachen darüber mit Jan Speck, Luk Burri, Oscar Nordstedt, Leòn Nervi, Nik Keiser sowie Anton Erler. Sie bilden das Team Greenola und wollen damit Food Waste reduzieren, wertvolle Nährstoffe nutzen und zeigen, dass Nachhaltigkeit auch gut schmecken kann.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, aus Biertreber ein Granola herzustellen?
Oscar Nordstedt: Wir haben uns gefragt, was die grössten Probleme unserer heutigen Ernährung sind. Zwei Dinge sind uns aufgefallen: Es wird zu viel stark verarbeitetes Essen konsumiert und gleichzeitig werden riesige Mengen an wertvollen Lebensmitteln weggeworfen. Unser Ziel war es, ein Produkt zu entwickeln, das beide Probleme angeht.
Jan Speck: So sind wir auf Biertreber gestossen. Er ist ein extrem nährstoffreicher Rohstoff, wird aber weltweit nur zu einem sehr kleinen Teil zu Lebensmitteln verarbeitet und landet in vielen Brauereien sogar im Abfall, was zu hohen CO₂-Emissionen führt. Gleichzeitig erreichen 87 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz die empfohlenen 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag nicht. Treber bietet genau diese fehlenden Nährwerte, da er zu 70 Prozent aus Ballaststoffen besteht.
Anton Erler: Wir haben uns für Granola entschieden, weil es ein Produkt ist, das viele Menschen täglich essen. Zusätzlich hat uns eine
Maturaarbeit an
der Kantonsschule Zug bestärkt, die gezeigt hat, dass ein Treber-Granola gute Chancen am Markt hat. Und weil wir alles von Hand in Zug herstellen, heben wir uns bewusst von industriell hochverarbeiteten Produkten ab.
Biertreber gilt normalerweise als Neben- oder Abfallprodukt. Was macht ihn aus eurer Sicht zu einem wertvollen Rohstoff für Lebensmittel?
Leòn Nervi: Beim Bierbrauen wird dem Gerstenmalz vor allem der Zucker entzogen. Was im Treber zurückbleibt, ist genau der gesunde Teil: Ballaststoffe und Proteine. Getrockneter Treber besteht aus bis zu rund 70 Prozent Ballaststoffen und etwa 20 Prozent Protein. Zum Vergleich: Hafer hat etwa 10 Prozent Ballaststoffe und 13 Prozent Protein, Weizen rund 13 und 11 Prozent. 87 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz erreichen die empfohlene tägliche Ballaststoffmenge von 30 Gramm nicht. Genau hier ist Biertreber und somit Greenola stark.
Oscar Nordstedt: Für uns ist Treber deshalb kein Abfall, sondern ein Rohstoff, der unterschätzt wird.
Ihr ersetzt 50 Prozent des Hafers durch Biertreber. Wie schmeckt Greenola – und was unterscheidet es von herkömmlichem Granola?
Nik Keiser: Greenola schmeckt zimtig, leicht süss und schön knusprig, mit Mandeln, Preiselbeeren und Samen. Der Treber gibt eine feine, leicht nussige Note. Dass der Geschmack und die Konsistenz von Treber-Granola überzeugt, zeigt auch die Umfrage der Maturaarbeit. Der grosse Unterschied zu anderen Granolas liegt, abgesehen vom Treber und dessen Nährwerten, in der Herstellung.
Luk Burri: Greenola ist nicht importiert und massenproduziert, sondern wird von Hand in Zug gebacken, mit Treber aus der Region.
Wie aufwendig ist es, den frischen Biertreber abzuholen, zu trocknen und anschliessend zu verarbeiten?
Luk Burri: Frischer Treber ist sehr feucht, deshalb verarbeiten und trocknen wir ihn direkt nach dem Abholen. Diesen Aufwand nehmen wir bewusst in Kauf, weil wir bei der Qualität keine Kompromisse machen wollen. Damit das funktioniert, haben wir uns gut organisiert: Zwei Personen in unserem Team sind fest für die Produktion zuständig, wir haben genügend Ofenkapazität in der Schule und bei uns zu Hause, und wir arbeiten eng mit den Zuger Brauereien zusammen.
Wie soll die künftige Produktion konkret funktionieren?
Jan Speck: Wir holen den Treber in Mengen von bis zu 100 Kilogramm direkt bei der Brauerei ab. Anschliessend trocknen wir ihn in unseren Öfen, backen ihn zusammen mit den weiteren Zutaten und verpacken das Granola in 300-Gramm-Packungen. Wir haben uns mit den gesetzlichen Hygieneanforderungen auseinandergesetzt, beim Amt für Verbraucherschutz des Kantons Zug registriert und befolgen dessen Regeln genau.
Was war bisher die grösste Herausforderung bei eurem Projekt?
Leòn Nervi: Am meisten Zeit kostet uns die Rezeptur, da wir sicherstellen wollen, dass sie unseren Kundinnen und Kunden genau entspricht. Wir haben viel Zeit gebraucht, bis Geschmack, Knusprigkeit und Nährwerte im richtigen Verhältnis zueinander stehen und perfektionieren dies weiter.
Was habt ihr mit der Teilnahme am YES Company Programme über Unternehmertum gelernt, das man nicht aus einem Schulbuch lernen kann?
Nik Keiser: Wir haben gelernt, dass der Kunde entscheidet: Die beste Idee nützt nichts, wenn sie den Kunden nicht überzeugt. Wir haben gelernt, unsere eigenen Annahmen aus
der Sicht des Kunden immer wieder zu hinterfragen.
Wo soll Greenola am Ende eurer YES-Zeit stehen?
Anton Erler: Für uns war Greenola von Anfang an mehr als ein Schulprojekt. Unser Ziel ist es, ein hochwertiges Produkt zu etablieren und eine gesündere, nachhaltigere Alternative zum herkömmlichen Frühstück zu verbreiten. Konkret möchten wir Greenola skalieren und in Schweizer Läden, auf Wochen- und Weihnachts märkten, über unseren Onlineshop (greenola.ch) und über soziale Medien anbieten, auch nach dem YES Company Programme.
Uwe Guntern
YES – Lernen fürs Leben
Die Organisation Young Enterprise Switzerland bietet jedes Jahr Schülerinnen und Schülern aus der ganzen Schweiz die Gelegenheit, ein eigenes Unternehmen zu gründen und wirtschaftliche Zusammenhänge praxisnah zu erleben. Die Teams treten im Verlauf des Jahres in mehreren Wettbewerbsrunden an – von den Top 75 bis zu den Top 25 der besten Jungunternehmen des Landes.
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