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Der Schwimmkanal in Horgen: Hier begleitet Roy Hinnen Menschen mit Wasserangst dabei, Schritt für Schritt Vertrauen zum Wasser aufzubauen. Foto: zvg
Jeder zehnte Gast im Schwimmkanal Horgen leidet unter Aquaphobie, einer tief sitzenden Angst vor dem Wasser, die Atmung und Wahrnehmung im Griff hat. Roy Hinnen erklärt, warum er bei betroffenen Schwimmern zuerst keine Technik, sondern Vertrauen vermittelt, und wie er das eigenen Angaben zufolge innerhalb von rund 30 Minuten schafft.
Aquaphobie, die Angst vor dem Wasser, ist keine Seltenheit. Viele Menschen leiden darunter, oft ausgelöst durch ein Ereignis aus der frühen Kindheit. Auch wenn sie sich nicht mehr daran erinnern, ist dieses Trauma fest in ihrem Unterbewusstsein verankert. Sobald sie am Beckenrand stehen, schnürt ihnen die Angst die Kehle zu. Oft ist die Angst so stark, dass sie sich nicht mehr ins Wasser trauen. Ein Schutzmechanismus, der zu einer hohen emotionalen Belastung wird. Dieser Artikel begleitet eine Frau mit ausgeprägter Aquaphobie durch die erste Einheit im Schwimmkanal und zeigt, wie Betroffene mit gezielten Übungen ihr Vertrauen ins Wasser zurückgewinnen können.
Simone H. (Name geändert) erinnert sich noch genau daran, als sie bei ihrer ersten Trainingseinheit mit Roy Hinnen am Beckenrand des Schwimmkanals Horgen stand. „Ich hatte irgendwie schon immer Angst vor dem Wasser. Als ich meinen Blick über die Wasseroberfläche gleiten liess, konnte ich spüren, wie diese Angst, die mich schon mein ganzes Leben lang begleitete, in mir aufstieg. Ich konnte nichts dagegen tun, sie überwältigte mich einfach, liess meinen Puls steigen und schnürte mir die Kehle zu. Als ich die Treppe ins Wasser stieg und meinen Fuss ins Wasser tauchte, zitterte ich am ganzen Körper, obwohl das Wasser mit 27 Grad eigentlich angenehm warm war.“
Roy Hinnen kennt dieses Problem. Es heisst „Aquaphobie“, die Angst vor dem Wasser, auch Wasserangst genannt. Es ist ein sensibles Thema, über das Betroffene nicht gerne sprechen. Bei vielen ist die Angst sogar so gross, dass sie das Wasser ein Leben lang meiden. Das findet Roy Hinnen, der sich als passionierter Triathlet eng mit dem Element verbunden fühlt, sehr schade. Aus seiner Erfahrung als Schwimmtrainer weiss er, warum klassischer Schwimmunterricht bei traumatisierten Menschen oft scheitert. Denn die Ursache für das tief sitzende Trauma liegt oft in der Kindheit. Viele Betroffene berichten, dass sie als Kind einfach ins Wasser geworfen wurden, um das Schwimmen zu lernen, entweder von den Eltern oder Grosseltern oder auch vom Schwimmlehrer. Hinnen findet es schade, wenn Schwimmcoaches einen Schwimmstil um ein Trauma herumbasteln: „Das ist der falsche Ansatz!“
„Was früher oft eine gängige Praxis war, Kindern das Schwimmen beizubringen, kann tief sitzende Ängste auslösen“, weiss Hinnen. Denn das Unterbewusstsein vergisst das Trauma nie, auch wenn sich Betroffene an diese Situation nicht mehr bewusst erinnern. Denn sobald sie mit dem Element Wasser in Berührung kommen, fühlt sich der Körper mit der einstigen Situation erneut konfrontiert und schaltet automatisch in den „Kampf- oder Flucht-Modus“. Es gehe darum, wieder eine Verbindung von Körper zum Kopf herzustellen.
Roy Hinnen weiss, dass etwa jeder zehnte Athlet, der seinen Schwimmkanal besucht, Angst vor dem Wasser hat. Das zeigt, dass auch Sportler unter Wasserangst leiden können, auch wenn die Symptome oft nicht so ausgeprägt sind. Trotzdem kann die Angst vor dem Wasser dazu führen, dass Schwimmtechnik und Leistungsfähigkeit gleichermassen beeinflusst werden. Sind die Symptome stärker ausgeprägt, kann dies sogar dazu führen, dass die Panik offensichtlich wird: schnelle Atmung, rasender Puls, Angstschweiss, Zittern. Bei manchen Menschen ist die Aquaphobie so extrem, dass sie Wasser gänzlich meiden, aus Angst, das Trauma erneut zu durchleben.
Der Körper schaltet dann automatisch in den „Überlebensmodus“, auch Kampf- oder Flucht-Reaktion genannt. Hierbei handelt es sich um einen angeborenen Schutzmechanismus, um in Stress- und Gefahrensituationen blitzschnell handeln zu können. Dafür schüttet der Körper Stresshormone aus. Hierzu gehört beispielsweise Adrenalin, das den Körper dabei unterstützt, auf Bedrohungen angemessen zu reagieren, entweder durch Kampf oder Flucht.
„Das zeigt sich durch eine typische Körperhaltung“, weiss Roy Hinnen. „Menschen mit Wasserangst atmen meist viel zu stark ein, vergessen aber, vollständig auszuatmen. Dadurch schnappen sie buchstäblich nach Luft, was sich wie Atemnot anfühlt und im Wasser Panik auslöst. Anstatt sich vom Wasserwiderstand tragen zu lassen, steht der Körper bei Menschen, die Angst vor dem Wasser haben, fast senkrecht im Wasser. Der Kopf wird dabei verkrampft oben gehalten oder nach hinten überstreckt, aus Angst, dass Wasser in die Nase oder den Mund gelangt. Sobald ihnen das Wasser ins Gesicht spritzt oder der Kopf unter Wasser taucht, löst dies bei ihnen sofort heftige Panik aus.“
Bei vielen Menschen ist die Wasserangst sogar so gross, dass allein der Anblick des Wassers Panik auslöst, wie etwa bei Simone H. Neben einer flachen, schnellen Atmung können Zittern und Frösteln typische Symptome von Aquaphobie sein. Als erfahrener Schwimmtrainer weiss Roy Hinnen aus Erfahrung, dass Betroffene sich in dieser Situation nicht auf das Schwimmtraining konzentrieren können, da sie in ihrer Angst gefangen sind. Wenn Angst den Körper beherrscht, nehmen sie seine Coaching-Tipps nicht war, da sie sich inmitten einer Kampf- und Flucht-Reaktion befinden.
Schwimmcoach Roy Hinnen liegt es daher sehr am Herzen, Betroffenen einen Weg aus ihrer Wasserangst zu zeigen. Mit seinem Ansatz, das Vertrauen zum Element Wasser mit gezielten Übungen zurückzugewinnen, hat er schon zahlreichen Menschen geholfen, wie das Beispiel von Simone H. zeigt.
Wasserangst entsteht in der Regel durch ein Trauma, das im Unterbewusstsein verankert ist. Betroffene haben durch dieses Trauma das Vertrauen zum Element Wasser verloren, da es für sie bedrohlich wirkt und Panik auslöst. Schwimmtrainer Roy Hinnen verfolgt daher mit seinen Kursen im Schwimmkanal einen völlig anderen Ansatz, um die Ursache der Aquaphobie zu beseitigen und Menschen behutsam an das Element Wasser heranzuführen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Schwimmkursen, die sich auf die Schwimmtechnik konzentrieren, liegt der Fokus hier auf der Erfahrung, dass das Wasser den Körper trägt und dadurch Vertrauen weckt. Laut Roy Hinnen können 30 Minuten Schwimmtraining bereits ausreichen, um die Lust am Schwimmen zurückzugewinnen und das Element Wasser aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Sabine H., die anfangs noch mit zittrigen Beinen ins Wasser stieg, ist von dem Ansatz des erfahrenen Schwimmtrainers begeistert.
„Als ich ins Wasser stieg, sah ich mich mit meiner Angst konfrontiert. Das war schon als Kind so und hat mich mein ganzes Leben lang begleitet. Immer, wenn ich im Wasser war, hatte ich das Gefühl, zu ertrinken. Deshalb vermied ich es, mit Freunden baden zu gehen, weil ich mich für meine Angst schämte. Ich hatte nicht nur Angst vor dem Wasser, sondern auch davor, wegen meiner Ängste ausgelacht zu werden. Im Schwimmkanal hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, verstanden zu werden. Schon in der ersten Einheit lernte ich, wieder mehr Vertrauen zu gewinnen, nicht nur in meinen Körper, sondern vor allem in das Element Wasser, das ich so lange gemieden hatte. Statt sofort loszuschwimmen, riet mir Roy Hinnen, mich mit dem Wasser vertraut zu machen, es kennenzulernen und zu spüren, wie es sich anfühlt.“
Vertrauen und Sicherheit sind zwei wichtige Aspekte, die Roy Hinnen mit seinem auf Erfahrung basierten Schwimmtraining vermitteln möchte. Seiner Meinung nach gelingt dies nicht mit klassischem Schwimmtraining, sondern mit einem Coaching, welches das traumatisierte Unterbewusstsein einbezieht. Dafür gab er Simone H. zunächst eine Schwimmnudel zur Hilfe, an der sie sich festhalten konnte. „So hatte ich das Gefühl, nicht alleine im Wasser zu sein. Ich wusste, dass ich im Notfall Hilfe bekam, wenn ich sie brauchte“, sagt sie. „Schon nach kurzer Zeit konnte ich meine Atmung beruhigen, da ich merkte, dass ich vom Wasser getragen wurde und nicht unterging. Natürlich hatte ich noch immer etwas Angst, dass mir Wasser ins Gesicht spritzen könnte, jedoch hatte nicht mehr das Gefühl, sofort aus dem Becken flüchten zu müssen.“
Durch die Sicherheit, die Roy Hinnen ihr mit der Schwimmnudel gab, konnte sie sich besser auf ihre Atmung konzentrieren und sich Schritt für Schritt an das Wasser und seinen Auftrieb gewöhnen. Je mehr Sicherheit Simone H. im Wasser bekam, desto mehr entspannte sich ihr Körper. „Anstatt den Kopf nach hinten zu überstrecken, riet Roy Hinnen mir, meine Schultern und den Nacken locker zu lassen und mich ihm Wasser treiben zu lassen“, sagt Simone H. Später werden einfache Schwimmbewegungen geübt, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, dass man sich im Wasser alleine halten kann. Bei Roy Hinnens Schwimmkursen für Menschen mit Aquaphobie ist die Schwimmtechnik eher zweitrangig. Viel wichtiger ist es, das Vertrauen ins Wasser zurückzugewinnen und dadurch tief sitzende Ängste aufzulösen. Die Wassertemperatur von 27 Grad Celsius wurde von dem Coach bewusst gewählt, da sie zur Beruhigung und Entspannung der Muskulatur beiträgt.
Abschliessend sagt Simone H: „Ich bin überglücklich und hätte nie gedacht, dass das Training mir helfen kann, meine Wasserangst zu überwinden. Schon in der ersten Schwimmstunde hat mir Roy Hinnen gezeigt, dass ich es kann. Ich habe jetzt die dritte Schwimmstunde hinter mir und fühle mich im Wasser viel sicherer und schwimme schon relativ sicher, manchmal holt mich die Angst wider ein, dann mache ich die Übungen von Roy.“
Mit seiner auf Erfahrung beruhenden Technik will der passionierte Sportler und Coach Roy Hinnen gezielt Menschen mit Wasserangst helfen, wieder mehr Vertrauen in das Wasser zu gewinnen und so tief sitzende Ängste zu überwinden, die oft aus der Kindheit stammen. Auch Sportler können unter Aquaphobie leiden. In seinem Schwimmkanal vermittelt Roy Hinnen bereits in 30 Minuten, wie das Wasser den Körper tragen kann und dass es möglich ist, sich sicher im Wasser zu fühlen. Dabei steht nicht das Erlernen einer perfekten Schwimmtechnik im Vordergrund, sondern der Aufbau von Sicherheit und Vertrauen. Betroffene lernen Schritt für Schritt, wie sie ihre Ängste abbauen und sich sicher im Wasser bewegen können.
PD
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