Nachhaltigkeit
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Corrie Hürlimann, Skip des Frauen-Nationalteams aus dem Kanton Zug, blickt auf ein erfolgreiches vergangenes Jahr 2025 zurück.
Das Jahr 2025 wird für Corrie Hürlimann und ihr Team in besonderer Erinnerung bleiben. Der Gewinn der Schweizer Meisterschaft und der internationale Auftritt an der Europameisterschaft markieren wichtige Meilensteine des jungen Teams. Im Gespräch mit der Zuger Woche erzählt Corrie Hürlimann von wertvollen Learnings und davon, weshalb Leidenschaft und Freude am Spiel entscheidend sind.
Ihr habt bei eurer ersten EM-Teilnahme direkt Bronze gewonnen. Wie würden Siedieses Erlebnis in eigenen Worten zusammenfassen?
Die Schweiz erstmals vertreten zu dürfen, war ein unglaublich schönes Erlebnis, zugleich aber auch mit einem gewissen Druck verbunden. Das Team Tirinzoni hat in den vergangenen Jahren konstant auf höchstem Niveau abgeliefert, und diesem Anspruch möchte man gerecht werden. Umso mehr freut es uns, dass wir direkt eine Medaille gewinnen konnten. Ein Erfolg, der uns stolz und zugleich hungrig auf mehr macht.
2025 war euer Jahr! Neben der EM, was waren für Sie diepersönlich wichtigsten Momente in der Saison?
Ein sehr prägender Moment, auch wenn er noch im Jahr 2024 lag, war der Entscheid, uns bewusst für dieses Line-up zu entscheiden und den Weg nur noch zu viert weiterzugehen. Dieser Schritt war alles andere als einfach, hat uns als Team aber enorm zusammengeschweisst. Dass wir nur knapp zehn Wochen später die Schweizermeisterschaften gewinnen konnten, war das Tüpfchen auf dem i. Dieser Erfolg hat uns eindrücklich gezeigt, wozu wir fähig sind, und bestätigt, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Der Gewinn der Schweizermeisterschaft war deshalb ein ganz besonderer und sehr wichtiger Moment für uns.
Das Halbfinalspiel gegenSchottland lief nicht wie geplant. Wie habt ihr euch danach motiviert, um im Spiel um Platz 3 zurückzukommen?
Das Halbfinale gegen Schottland war natürlich enttäuschend für uns. Es war frustrierend, dass wir ausgerechnet in diesem entscheidenden Moment nicht unsere beste Leistung zeigen konnten. Rückblickend war es für uns nicht ideal, dass das Halbfinale bereits am selben Abend stattfand, an dem wir uns am Morgen für die Play-offs qualifiziert hatten. Uns blieb wenig Zeit, um uns über den Einzug zu freuen, gleichzeitig aber auch, um uns mental und körperlich optimal auf das Halbfinale vorzubereiten. Das ist sicher ein wichtiges Learning, das wir aus dieser EM mitnehmen. Gleichzeitig wussten wir aber, dass wir es besser können. Wir sind ein starkes Team, und wir hatten das klare Gefühl, dass wir uns diese Medaille wirklich verdient haben. Nach dem Spiel haben wir uns in der Wohnung nochmals bewusst nur zu viert zusammengesetzt und offen über die Niederlage gesprochen. Jede konnte ihren Frust loswerden, was uns sehr geholfen hat. Bevor wir den Tisch verlassen haben, war jedoch klar, dass wir das Halbfinale abgeschlossen haben. Wir sind alle mit einem guten, motivierten Gefühl ins Bett gegangen, bereit, im Spiel um Platz 3 alles zu geben.
Mit 27 Durchschnittsalter gehört euer Team zu den jüngsten der EM. Wie habt ihr es geschafft, als Team zusammenzuwachsen und international zu bestehen?
Durch sehr viel gemeinsames Training. Wir vertrauen einander sehr, sowohl sportlich als auch menschlich, und wissen, dass jede ihre Rolle im Team kennt, lebt und jeden Tag ihr Bestes für das Team gibt.
Wir alle haben im Curling bereits viele Tiefs erlebt und hätten jede für sich schon mehrere Gründe gehabt, aufzuhören.
Doch Curling ist für uns alle die grösste Leidenschaft und macht uns einfach unglaublich viel Spass. Auch wenn es nicht immer einfach ist, kämpfen wir gerade dann noch mehr. Die Zusammenarbeit mit meiner Mutter als Coach sowie mit unserer Mentaltrainerin hilft uns zusätzlich, uns täglich weiterzuentwickeln – sportlich wie auch mental. Ich glaube, genau diese Mischung aus Leidenschaft, Durchhaltevermögen, Vertrauen und Freude am Spiel ist der Grund, weshalb wir bereits bei unserem ersten internationalen Auftritt auf diesem Niveau performen konnten.
Die Mutter von Ihnen war als Coach mit dabei. Wie war es, privat und sportlich so eng zusammenzuarbeiten?
Ehrlich gesagt kenne ich gar nichts anderes. Sie trainiert mich schon, seit ich jung bin, und hat mich auch schon mehrfach gecoacht. Sie ist ein wesentlicher Grund dafür, dass ich heute mit dieser Medaille hier stehen darf. Sowohl wir als Team als auch ich persönlich können extrem viel von ihr lernen. Unsere Zusammenarbeit ist sehr professionell, und wir schaffen es meistens gut, das Private vom Sportlichen zu trennen. Natürlich gibt es Momente, in denen man direkter miteinander umgeht als mit jemandem, der nicht zur Familie gehört, aber genau das bringt uns oft auch weiter. Besonders während der EM habe ich enormen Respekt davor gehabt, wie ruhig und kontrolliert sie ihre Rolle als Coach während den Spielen ausgefüllt hat. Das könnte ich selbst bei Familienmitgliedern definitiv nicht, ich wäre zu nervös.
Und wenn man gleichzeitig die Mutter und den Coach stolz machen kann, ist das doch umso schöner.
«Jede und jeder von uns braucht Vorbilder, an denen man sich orientieren und denen man nacheifern kann.»
Wie würden Sie den Teamspirit im 2025 beschreiben? Was hat euch besonders zusammengeschweisst?
Unser Teamspirit ist 2025 sehr stark, was man meiner Meinung nach auch während der Europameisterschaften gut sehen konnte. Wir haben extrem viel Freude daran, gemeinsam unserer Leidenschaft nachzugehen und konsequent an unserem Weg zu arbeiten. Wenn man als Viererteam so viel Zeit miteinander verbringt, lernt man sich sehr gut kennen. Man weiss, wie die anderen ticken, wann Unterstützung gefragt ist und wann jemand vielleicht auch einfach einmal Ruhe braucht. Gemeinsame Aktivitäten abseits des Eises, wie der Besuch eines NHL-Spiels oder gemeinsames Shoppen, helfen zusätzlich, sich über andere Themen auszutauschen und den Zusammenhalt weiter zu stärken.
Nach einem so erfolgreichenJahr, wie sieht euer Teamdas kommende Jahr? Gibt es bestimmte Turniere oder Ziele, die ihr ins Auge fasst?
Nach dem erfolgreichen vergangenen Jahr schauen wir mit viel Motivation und gleichzeitig grossem Respekt auf die kommende Saison. Ein zentrales Ziel sind die Schweizermeisterschaften im Februar, bei denen sich der Sieger für die Weltmeisterschaft in Calgary qualifiziert. Curling hat in Kanada einen ganz anderen Stellenwert, und eine WM vor ausverkauftem Haus in einem Hockeystadion spielen zu dürfen, wäre etwas ganz Besonderes. Da meine Mutter aus Kanada stammt, wäre dieses Turnier für mich persönlich eines der absoluten Highlights im Jahr 2026. Gleichzeitig ist uns bewusst, wie stark und dicht die Konkurrenz in der Schweiz ist. Der Erfolg aus dem letzten Jahr hat uns aber gezeigt, dass alles möglich ist, wenn wir konsequent arbeiten und als Team auftreten. Unser langfristiges Ziel sind die Olympischen Spiele 2030. Im Frühling werden zudem die neuen Selektionsverfahren für Europa- und Weltmeisterschaften veröffentlicht, welche einen grossen Einfluss auf die Olympia-Selektion haben werden. Diese Neuerungen werden unsere Zielsetzung und unsere Planung in den kommenden Jahren stark prägen.
Wie hat Sie das Jahr 2025 als Sportlerin, aber auch als Mensch geprägt?
Das Jahr 2025 hat mich sowohl sportlich als auch persönlich stark geprägt. Ich betreibe Curling seit meinem sechsten Lebensjahr mit grosser Leidenschaft und viel Einsatz. In den letzten Jahren war dieser Weg nicht immer einfach, es gab einige Veränderungen innerhalb der Teams, Momente des Zweifelns und auch Phasen, in denen andere Wege durchaus eine Option gewesen wären. Die Erfolge im vergangenen Jahr haben mir jedoch klar gezeigt, dass sich Loyalität, Geduld und harte Arbeit auszahlen. Sie haben mein Vertrauen in den eingeschlagenen Weg gestärkt und mir nochmals bewusst gemacht, warum ich diesen Sport mit so viel Herzblut betreibe. Besonders dankbar bin ich für das Umfeld, das uns als Team unterstützt – sei es finanziell oder durch den Rückhalt von Familie, Freunden und Partnern. Ohne diese Unterstützung wäre ein Weg im Spitzensport in dieser Form nicht möglich. Sie gibt mir zusätzliche Motivation, unseren gemeinsamen Weg konsequent weiterzugehen und die kommenden Ziele mit voller Überzeugung anzugehen.
Viele junge Curlerinnen verfolgen eure Erfolge. Was würden Sie ihnen mit auf den Weg geben, gerade wenn sie international Fuss fassen wollen?
Nach unserem Erfolg an der EM haben wir gemerkt, dass plötzlich viele Juniorinnen und Junioren zu uns aufschauen. Das freut uns sehr und ist unglaublich schön, denn jede und jeder von uns braucht Vorbilder, an denen man sich orientieren und denen man nacheifern kann. Das Wichtigste, das ich jungen Curlerinnen mit auf den Weg geben möchte, ist, den Spass am Curling nie zu verlieren. Leidenschaft, Geduld und Ehrgeiz sind entscheidend, gerade dann, wenn der Weg nicht immer geradeaus verläuft. International Fuss zu fassen braucht Zeit, Rückschläge gehören dazu, und nicht alles geht so schnell, wie man es sich wünscht. Ebenso wichtig ist es, sich im Team wohlzufühlen. Spitzensport ist nicht immer der einfachste Weg und finanziell gäbe es oft andere Möglichkeiten. Dafür ist er eine echte Lebensschule, aus der man enorm viel mitnimmt
Mehr über das Team, aktuelle Turniere und den weiteren Weg von Corrie Hürlimann und ihrem Team gibt es auf der Webseite:
Michael Schwegler
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