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Der Lösch- und Rettungszug (LRZ) in Rotkreuz ist rund um die Uhr einsatzbereit – für Brände, Unfälle und alles, was den Bahnverkehr zum Stillstand bringen könnte.
Viele Pendlerinnen und Pendler fahren täglich an ihm vorbei. Einige fragen sich vielleicht: Wieso steht dort ein roter, dreiteiliger Zug, der nicht an einer elektrischen Fahrleitung hängt? Welche Funktion hat dieser Zug? Warum steht er ausgerechnet in Rotkreuz, und wann wird er eingesetzt? Am verkehrsstrategisch wichtigen Bahnknoten Rotkreuz, im Herzen der Schweiz, ist einer der Lösch- und Rettungszug (LRZ) der Schweizerischen Bundesbahnen stationiert. Von hier aus können die Einsatzkräfte der SBB-Intervention innerhalb weniger Minuten in den Kanton Zug, auf die Nord-Süd-Achse oder in angrenzende Regionen ausrücken. Der LRZ Rotkreuz ist Teil eines schweizweiten Sicherheitsnetzes, das Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung und Rettung auf dem Schienennetz garantiert.
Ambauen: «Dies ist ein LRZ08. Es gibt ältere Modelle, aber auch modernere wie den LRZ14 in Erstfeld.»
Am Donnerstagmorgen, 13. November, empfing mich der Mediensprecher der SBB, Reto Schärli, am Bahnhof Rotkreuz. Die Luft war frisch, der Morgennebel löste sich gerade über den Gleisen auf, als wir Richtung Hochschule Luzern (HSLU) Schulhaus gingen. Wir machten einen Bogen über den markierten «SBB–Feuerwehr»-Bereich. Auf der anderen Seite wartete Christian Ambauen, Leiter des Standortes SBB-Intervention Rotkreuz bereits. Seit 2013 zählt der Standort zu den 15 Standorten der SBB-Intervention und ist mit einem Lösch- und Rettungszug ausgestattet. Nach einer kurzen Begrüssung wurde das Gespräch gleich spannend, denn wir sprachen über das Einsatzgebiet des LRZ. Ambauen erklärt: «Es reicht vom Entlebuch bis zum Seetal, über den Bahnhof Luzern hinaus in den Kanton Zug – die Nord-Süd-Achse ist ebenfalls Teil unseres Einzugsgebiets. » Ein grosses Einsatzgebiet, das der LRZ von Rotkreuz abzudecken hat. Wir wechseln das Thema und kommen auf den Einsatz zu sprechen. Dabei führt Ambauen aus, dass ein Einsatz bei der SBB-Intervention nach dem folgenden Schema abläuft: «Die fünf Personen der Schicht rücken aus, zwei Teams in zweier Gruppen fahren mit Autos oder Feuerwehrwagen direkt zum Einsatzort. Einer ist dabei der Einsatzleiter und koordiniert vor Ort, die fünfte Person fährt mit dem Lösch- und Rettungszug so schnell wie möglich hinterher». «Unsere Schichten dauern 24 Stunden, wir sind also permanent auf Abruf», fügt er hinzu. Im Interventionsstandort in dem wir uns bewegen teilt sich die SBB-Intervention mit der SBB-Cargo. Dabei verfügt der Interventionsstandort über Büroräume, ein Sitzungszimmer, einen Pausenraum, einen Waschraum und drei Garderoben.
Das Team von Leiter Ambauen umfasst 17 Mitarbeitende, darunter zwei Frauen. «Die erste Frau wurde vor knapp vier Jahren eingestellt, die zweite erst kürzlich», erzählt Ambauen. Die Anforderungen an das Personal sind hoch: Alle müssen Erfahrung bei einer Feuerwehr gesammelt haben, einen zweiwöchigen Sanitätskurs absolvieren und die Lokführerprüfung bestehen. Wenn wir weiter durch den Interventionsstandort gehen, fällt auf, dass die SBB-Intervention sehr geordnet und strukturiert ist, so ist zum Beispiel eine Wand voll mit Jacken, Stiefeln und Taschen. Dabei fällt auf, dass beschriftet und fein säuberlich im Regal verstaut ist – ein Bild von Ordnung und Präzision. Ambauen betont: «Ohne diese Punkte geht es nicht, wenn wir um zwei Uhr morgens ausrücken müssen und die Dinge erst zusammensuchen müssten. Dann könnten wir nicht die Sicherheit gewährleisten.», bei diesem Satz ist ihm der Stolz auf sein Team anzumerken.
Ambauen: «Unsere Schichten dauern 24 Stunden, wir sind also permanent auf Abruf»
Wir wechseln die Örtlichkeiten und verlassen den Interventionsstandort und gehen in Richtung LRZ, der von der Sonne bestrahlt auf unseren Besuch wartet. Die glänzende rote Lackierung reflektiert das Licht, fast so, als wollte der Zug selbst seinen Status als Lebensretter verkünden. Ambauen erklärt: «Dies ist ein LRZ08. Es gibt ältere Modelle, aber auch modernere wie den LRZ14 in Erstfeld.» Und prompt rollt dieser auf der anderen Seite heran. Es ist ja schliesslich Zukunftstag und die Kinder oder Patenkinder der Mitarbeitenden sollen sehen können, wo ihre Gotte oder ihr Götti, ihre Tante oder ihr Onkel oder auch ihr Vater oder ihre Mutter arbeitet. Vorne in der Kabine strahlt ein Kindergesicht uns entgegen. Doch zurück zu unserem Zug dem LRZ08 aus Rotkreuz. Er besteht aus drei Wagen: Rettungsfahrzeug, Tanklöschwagen und Gerätefahrzeug. Er kann im Pendelbetrieb gefahren werden – also in beide Richtungen, ein entscheidender Vorteil, wenn Zeit und Flexibilität über Leben und Sicherheit entscheiden. Das Rettungsfahrzeug ist hell beleuchtet, der Boden sauber und antiseptisch, die Wände voller Fachfächer. Es bietet Platz für medizinisches Personal, Tragbahren, Sauerstoff- und Wasserflaschen. Das Rettungsfahrzeug kann auch Reisende aufnehmen. Ambauen erklärt: «Hier könnten im Notfall bis zu 60 Personen untergebracht werden.» Der Wagen ist druckdicht, mit Frischluftzufuhr und Notbeleuchtung ausgestattet. Es riecht leicht nach Metall und Desinfektionsmittel, so vermittelt der Wagen ein Gefühl von Sicherheit. Neben dem Rettungsfahrzeug steht der Tanklöschwagen. Er fasst 48’000 Liter Wasser, das über den Wasser- /Schaumwerfer auf dem Dach oder über 1000 Meter Schlauchmaterial abgegeben werden kann. Ambauen erläutert: «Die Schläuche sind so lang, weil die längsten Güterzüge in der Schweiz 800 Meter messen. So kann auch der vorderste Wagon erreicht werden.» Man spürt die Wucht und Dimension dieses Fahrzeugs – es ist nicht nur ein Wasserreservoir, sondern ein strategisches Instrument der Rettung. Der Gerätewagen wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, ist aber eine hochkomplexe mobile Werkstatt. «Hier haben wir alles, was wir für technische Hilfe benötigen – von der Rettungsschere über Beleuchtung bis zu Spezialwerkzeugen und Pumpen», sagt Ambauen. Mit Generator, Kran und Kompressoren ausgestattet, kann das Team Türen öffnen, Lasten anheben oder Menschen aus beschädigten Waggons befreien. Man sieht sofort die Sorgfalt, mit der jedes Werkzeug seinen Platz hat. Im Gespräch wird deutlich, wie breit das Aufgabenspektrum der SBB-Intervention ist. Sie sind nicht nur Feuerwehr, sondern auch technischer Dienst, Sanität und Bahnbetriebssicherung. Rund 350 Spezialistinnen und Spezialisten arbeiten an 15 Standorten, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Ambauen erklärt: «Unser Ziel ist, bei Zwischenfällen auf dem Bahnnetz schnell für Sicherheit zu sorgen und den Betrieb so rasch wie möglich wiederherzustellen.» Wir gehen langsam zurück und lassen den roten Zug hinter uns. Ich bedanke mich bei Christian Ambauen und Reto Schärli für die Möglichkeit den LRZ besichtigen zu können. Ich wende mich ab laufe unter den Gleisen durch und setzte mich in die S-Bahn und sehe durchs Zugfenster den roten Zug weiterhin ruhig und unscheinbar auf seinem «Abstellgleis». Ich denke mir, nur wenige Meter daneben fahren Pendlerzüge ein und aus, Menschen steigen ein, steigen aus – kaum jemand ahnt, dass hier eine hochspezialisierte Einsatztruppe bereitsteht, die im Notfall Leben rettet und das Bahnnetz schützt.
Michael Schwegler
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