Zug 94
Cheftrainer Erminio Piserchia über seine neuen Aufgaben
Leiter- und Küchenteam der Jubla Oberägeri mit der Siegertrophäe.
Rund die Hälfte aller Sommerlager im Kanton Zug haben sich der «Restlos Geniessen Challenge» gestellt. Mit 90 Prozent weniger Lebensmittelabfall im Vergleich zum Schweizer Durchschnitt haben sie beweisen , dass nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln nicht nur möglich, sondern auch spielerisch und motivierend sein kann.
Es ist eine Bilanz, die weit über die Grenzen des Kantons hinaus Aufmerksamkeit verdient: Mehr als 50 Prozent der Sommerlager im Kanton Zug haben diesen Sommer an der «Restlos Geniessen Challenge» teilgenommen – und dabei nicht nur gegen Food Waste, sondern auch gegeneinander in einem kreativen Wettbewerb gekämpft. (Dier Zuger Woche berichtete darüber.) Das Resultat: Im Durchschnitt produzierten die teilnehmenden Lager 90 Prozent weniger Lebensmittelabfälle als sonst üblich. Hochgerechnet entspricht das über zwei Millionen eingesparten Kilokalorien – genug, um elf Menschen hundert Tage lang vollständig zu ernähren.
Die «Restlos Geniessen Challenge» folgt einem einfachen Prinzip: Lager messen sich spielerisch im Umgang mit Lebensmitteln. Ziel ist es, den Food Waste pro Person möglichst gering zu halten. Am Ende gewinnt das Lager mit dem kleinsten Pro-Kopf-Abfall. Dass ein solcher Wettbewerb nicht nur pädagogisch sinnvoll ist, sondern auch ganz konkrete Resultate zeigt, verdeutlicht das Projekt eindrucksvoll. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in kleinen, aber wirkungsvollen Veränderungen: vorausschauende Menüplanung, restlose Verwertung von Lebensmitteln und bewusstes Einkaufen. Dabei kommt es weniger auf Perfektion als auf Kreativität und Engagement an. Jubla Oberägeri an der Spitze Als klarer Sieger des diesjährigen Wettbewerbs ging die Jubla Oberägeri hervor. Mit gerade einmal 5,5 Gramm Food Waste pro Person und Tag übertrafen sie alle anderen Lager – und vor allem den Schweizer Durchschnitt, der bei rund 246 Gramm liegt, um Längen. Das entspricht einer Reduktion von ganzen 98 Prozent. Im Rahmen des traditionsreichen Zuger Stierenmarkts wurde der verdiente Siegerpokal von Regierungsrätin Silvia Thalmann-Gut überrecit. Die Politikerin zeigte sich beeindruckt vom Einsatz der jungen Generation: «Ich bin begeistert vom Engagement der jungen Menschen für dieses wichtige Thema. Sie haben gezeigt, dass Food Waste deutlich reduziert werden kann – und das mit Freude, Teamgeist und Einfallsreichtum.» Ins Leben gerufen wurde die Challenge von «Smart Food Zug», einer Initiative des Landwirtschaftsamts des Kantons Zug. Die Idee dazu entstand bereits vor den Sommerferien. Ziel war es, junge Menschen für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln zu sensibilisieren – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem attraktiven, motivierenden Wettbewerb. Thomas Wiederkehr, Leiter des Landwirtschaftsamts, zieht eine durchwegs positive Bilanz: «Dass wir so viele Lager für die Teilnahme gewinnen konnten und dass die Resultate derart überzeugend ausfallen, freut mich ausserordentlich. Es hat sich gezeigt, dass wir mit der richtigen Mischung aus Motivation, Wettbewerb und Kreativität einen echten Unterschied machen können.» Die Hoffnung der Initianten: Dass das Projekt Schule macht – nicht nur in weiteren Sommerlagern, sondern auch im Alltag von Familien, Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen.
Denn Food Waste ist ein ernstes Problem. In der Schweiz landen jährlich rund 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall – oft noch geniessbar. Gerade in einer Zeit, in der globale Lieferketten unter Druck stehen, Ressourcen knapp sind und die Klimakrise dringliche Antworten verlangt, ist der achtsame Umgang mit Nahrung wichtiger denn je. Die «Restlos Geniessen Challenge» beweist: Die Lösungen müssen nicht immer kompliziert oder teuer sein. Manchmal reicht es, gemeinsam zu kochen, zu planen, Reste kreativ zu verwerten – und mit Begeisterung bei der Sache zu sein. Das haben die Kinder und Jugendlichen im Kanton Zug eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Es wurde ein Impuls gesetzt, der über die Sommerlager hinaus wirkt und als Modell auch in weiteren Regionen Anwendung finden könnte. Denkbar könnten ähnliche Challenges in Schulen, Altersheimen oder gar Betrieben sein . Die Plattform foodwastechallenge.ch bietet bereits jetzt Ressourcen, Tipps und Inspirationen für alle, die selbst aktiv werden wollen. Dass aus einem Sommerprojekt ein Modell mit langfristiger Wirkung werden kann, ist also durchaus realistisch. Die jungen Teilnehmenden haben vorgemacht, wie es geht – jetzt liegt es an den Erwachsenen, mitzuziehen.
Uwe Guntern
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