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Feuerwehr Hünenberg mit Jahresrapport und Rückblick
Keine Ortstafel «Energiestadt» begrüsst die Autofahrerinnen und Autofahrer vor Menzingen.
Umweltschutz ist nicht nur wichtig, sondern auch schick. Im Kanton Zug sind von den 11 Gemeinden gleich 10 Mitglied von «Energiestadt». Nur Menzingen schert aus. Die kleine Gemeinde setzt auf Eigenverantwortung.
Wer mit dem Auto durch die Schweiz fährt, begegnet beim Eingang von Dörfern und Städten häufig der Ortstafel «Energiestadt». Das Label zeichnet Gemeinden aus, welche «überdurchschnittliche Anstrengungen» bei ihrer Energie- und Klimapolitik unternommen hat. Alle vier Jahre überprüft der Verein, ob die Auszeichnung noch gilt. Die «überdurchschnittliche Anstrengung», mit der sich Gemeinden vielleicht brüsten wollen, muss in Relation gesetzt werden. Heute sind über 600 Gemeinden Mitglieder des Vereins Energiestadt. In diesen teilnehmenden Gemeinden wohnen rund 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung.
Jährlich würden viele Gemeinden die Tafel zurückgeben, schreibt das Magazin «Nebelspalter». Die Kosten, um das Label Energiestadt zu erhalten, belaufen sich in der Regel auf einen tiefen fünfstelligen Betrag. Hinzu kommt der Mitgliederbeitrag. Und alle vier Jahre gibt es eine Rechnung für die Rezertifizierung, die nochmals einige Tausend Franken kostet. Das Geld fliesst in den Verein Energiestadt. Dieser händigt nicht nur die Ortstafeln aus, sondern berät die Gemeinden in der Umsetzung der Klimaziele. Nicht alle Gemeinden stellen aber ihre Ortstafeln auf. Die Stadt Zürich, die sogar «Energiestadt Gold» ist, verzichtet zum Beispiel darauf. Dabei zählen die goldenen Energiestädte zu den «besten in Europa», wie der Verein erklärt.
Der Kanton Zug ist ein treuer Anhänger des Vereins. Nur eine Gemeinde will nicht mitmachen: Menzingen. Mit Ignoranz des Klimawandels hat das nichts zu tun. Allein das neue Energiegesetz, das seit dem 1. Februar 2024 in Kraft ist, verpflichtet die Gemeinden zur Einhaltung höherer Energieeffizienz. Menzingen verzichtet bewusst auf das Label «Energiestadt»: «Eine Förderung von nachhaltiger Energie steht bei uns im Vordergrund», schreibt der Gemeindeschreiber Fabian Arnet auf Anfrage, «Dafür ist eine Zertifizierung nicht zwingend Voraussetzung.» Seit letztem Jahr setzt der Verein Energiestadt seinen Fokus auf das Netto-Null-Ziel. Man wolle Städte und Gemeinden umfassend auf dem Weg zur Klimaneutralität unterstützen, heisst es vom Verein. Damit sei man die einzige Organisation.
Menzingen braucht diese Unterstützung anscheinend nicht. Ja, in Zukunft strebe seine Gemeinde ebenfalls das Netto-Null-Ziel an, antwortet Arnet. «Wir bieten beispielsweise eine kostenlose Energieberatung für die Bevölkerung an oder beteiligen uns mit Beiträgen an alternativen Energiemethoden. Zudem werden die gemeindlichen Liegenschaften laufend auf die Energieeffizienz überprüft und mit PV-Anlagen aufgerüstet. Die meisten Liegenschaften sind am Fernwärmenetz angeschlossen.» Menzingen ist Mitglied bei einem anderen Verein, der Energieberatung des Kantons Zug Diese berät Sie in einer ersten Phase kostenlos und neutral. Diese gibt unter anderem Auskunft und Beratung zu Förderbeiträgen und Aktionen. Auch die anderen Zuger Gemeinden sind bei dieser Beratungsstelle Mitglied. Behörden bezahlen 400 Franken im Jahr. Umweltschutz hat auch ohne Label einen wichtigen Stellenwert bei der kleinen Gemeinde. Auf Menzinger Boden liegen wichtige Quellgebiete für die Wasserversorgung der Stadt Zürich und des Kantons Zug. Die Luftqualität in der Berggemeinde sei sehr gut, schreibt Menzingen auf ihrer Homepage. Die unabhängige Messung zeigen in der Tat eine geringe Belastung. Auch die Lärmbelastung sei äusserst tief. Nur auf die schicke Ortstafel «Klimastadt» muss Menzingen verzichten.
Zug am besten
Das Label «Energiestadt» zeichnet Schweizer Gemeinden und Städte aus, die eine nachhaltige Klima- und Energiepolitik vorleben und umsetzen. Verliehen wird das Label nach einer erfolgreichen Prüfung der Gemeinde durch den unabhängigen Trägerverein Energiestadt. Mit 82,2 von möglichen 100 Punkten wurde die Stadt Zug ausgezeichnet, die höchste im Kanton vergebene Bewertung.
Beni Frenkel
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