Zug 94
Cheftrainer Erminio Piserchia über seine neuen Aufgaben
Oberirdische Tanks, wie hier in Rotkreuz, sichern die zentrale Treibstoffversorgung der Armee. Foto: Pascal Gertschen
Mitten in Rotkreuz liegt eine der zentralen Tankanlagen des Schweizer Militärs. Sie ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Knotenpunkt für die Versorgung mit Treib- und Betriebsstoffen sowie Heizöl. Es stellt sich die Frage: Welche Rolle spielt die Anlage heute und wie geht es in Zukunft weiter?
Die Tankanlage in Rotkreuz ist weit mehr als nur ein Lager für Diesel und Heizöl. Dank ihrer zentralen Lage fungiert sie als bedeutendes Verteilzentrum für die Armee und die Bundesverwaltung. Von hier aus werden Fahrzeuge, Geräte und auch zivile Einrichtungen mit Treib- und Betriebsstoffen versorgt. Während über konkrete Mengen aus Sicherheitsgründen keine Angaben gemacht werden, ist klar: Ohne Standorte wie diesen wäre die Logistik der Schweizer Armee kaum aufrechtzuerhalten.
Welche Stoffe genau in den riesigen Tanks lagern, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. Offiziell ist nur von Treib- und Betriebsstoffen sowie Heizöl die Rede. Auch zur Grösse des Lagervolumens schweigt das Verteidigungsdepartement – klassifizierte Informationen, die nicht öffentlich gemacht werden. Klar ist jedoch, dass die Anlage ein zentrales Element in der nationalen Versorgung darstellt. Die Nähe zur Wohnsiedlung, zum Bahnhof und zu Freizeitanlagen sorgt regelmässig für Diskussionen. Kritiker befürchten ein Risiko für Bevölkerung und Umwelt. Doch die Anlage erfüllt laut VBS aktuellsten Sicherheitsstandards. In den vergangenen Jahren wurden Investitionen getätigt, um Brand- und Gewässerschutz, Auffangvolumen und technische Überwachungssysteme auf den neuesten Stand zu bringen. Zudem unterliegt die Tankanlage der Störfallverordnung. Das bedeutet, dass organisatorische und technische Vorkehrungen regelmässig überprüft und laufend angepasst werden. Das Gefahrenpotenzial wird in regelmässigen Abständen neu eingeschätzt. Dabei wird nicht nur der Zustand der Tanks beurteilt, sondern auch geprüft, welche Massnahmen zur Minimierung von Risiken nötig sind. Ziel ist, die Auswirkungen eines allfälligen Störfalls auf Mensch und Umwelt so gering wie möglich zu halten. Gerade mit Blick auf die nahe Badi, Sportanlagen und Wohnsiedlungen hat diese Vorsorge hohe Priorität.
Warum ausgerechnet Rotkreuz? Die Antwort liegt in der Vergangenheit: Ursprünglich stand hier eine Raffinerie mit direktem Gleisanschluss. Die Lage war damals unbesiedelt – ideale Voraussetzungen für ein Tanklager. Erst mit der späteren Wohnbebauung rückte die Anlage ins Zentrum des Dorfes. Dass sie bis heute betrieben wird, liegt an ihrer nach wie vor strategisch wichtigen Funktion. Immer wieder kommt die Frage auf, ob ein Rückbau oder eine Verlagerung möglich wäre. Bereits 2013 gab es politische Vorstösse in diese Richtung. Doch auch heute gilt: Alternative Standorte sind derzeit nicht vorhanden. Ein Rückbau oder eine Verkleinerung der Anlage steht daher nicht zur Diskussion.
Auffällig ist, dass in Rotkreuz oberirdische Tanks genutzt werden. Ein bewusster Entscheid, denn diese Lager decken einen Teil der Bevorratungsmengen ab und sind vor allem für den Ausbildungsbedarf vorgesehen. Unterirdische Lösungen mögen diskreter wirken, doch die Kombination aus verschiedenen Lagertypen gehört zur Strategie der Armee. Auch in Sachen Umweltschutz will das VBS keine Kompromisse eingehen. Die Anlage entspricht sämtlichen Vorgaben des Gewässerschutzes. Auffangbecken verhindern, dass Stoffe ins Erdreich gelangen können, und moderne Überwachungssysteme melden mögliche Störungen sofort. Damit soll sichergestellt werden, dass das Grundwasser und die Umgebung geschützt bleiben.
Die Diskussion um die Zukunft der Tankanlagen ist nicht neu. Im Jahr 2020 konnten Kanton, Gemeinde und Bevölkerung im Rahmen des Sachplans Militär ihre Anliegen einbringen. Anfang 2022 verabschiedete der Bundesrat das entsprechende Objektblatt. Und die Entwicklung geht weiter: In Zusammenarbeit mit der EMPA und dem Kanton Zug wird geprüft, ob Teile des Geländes künftig für die Erprobung neuer Technologien wie «Green Methanol » genutzt werden könnten. Damit könnte der Standort auch einen Beitrag zur Energiewende leisten. Die Anlage in Rotkreuz unterscheidet sich übrigens nicht wesentlich von Tanklagern der Mineralölindustrie. Auch die Pflichtlagerorganisation CARBURA betreibt vergleichbare Infrastrukturen. Der Unterschied: In Rotkreuz trägt die Armee die Verantwortung – und die Sicherheit steht an oberster Stelle. Und wie geht es langfristig weiter? Das VBS setzt weiterhin auf ein dezentrales System von Treibstofflagern in der ganzen Schweiz. So bleibt die Versorgung auch in Krisenzeiten gewährleistet. Rotkreuz ist dabei ein zentraler Baustein – und wird es wohl noch länger bleibe
Michael Schwegler
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