Stadt Zug
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Das Projekt SHL-Südtor bringt die Zukunftsvision des Tech Clusters zum Ausdruck: Es wird der Beweis angetreten, dass es möglich ist, auf dem historischen Industrieareal ein neues Ökosystem zu schaffen und innovativ produzierende Industriebetriebe
anzusiedeln.
Im Süden des V-ZUG-Stammareals in Zug entsteht der Neubau «SHL-Südtor». Unter der Bauherrschaft der Tech Cluster Zug AG wird für die SHL Medical AG ein neues Büro- und Produktionsgebäude errichtet. Es handelt sich um das erste Projekt im Tech Cluster Zug, das gezielt für einen externen Nutzer realisiert wird.
Das sechsgeschossige Gebäude wird in Hybridbauweise aus Holz, Stahl und Beton erstellt und ab Mitte 2026 als internationaler Hauptsitz von SHL Medical dienen. Das Unternehmen ist auf innovative Systeme zur Arzneimittelabgabe und Medizintechnik spezialisiert. Rund 350 Mitarbeitende werden am neuen Standort arbeiten. Etwa 65 Prozent der Flächen sind für Produktion und Montage vorgesehen, die restlichen 35 Prozent für Büro- und Entwicklungsbereiche.
Der Neubau «SHL-Südtor» ist nicht nur funktional durchdacht, sondern auch gestalterisch ein wichtiger Baustein der Gesamtentwicklung. Mit seiner gestaffelten Höhenentwicklung vermittelt das Gebäude zwischen den benachbarten, niedrigeren Wohn- und Gewerbebauten und den grossvolumigen Neubauten im Norden des Tech Clusters. Die maximale Gebäudehöhe von 44,4 Metern bleibt dabei deutlich unter der im Bebauungsplan erlaubten Höhe von 50 Metern. Der Baukörper gliedert sich in zwei Hauptbereiche: einen abgetreppten Sockelbau (vom 2. Untergeschoss bis ins 2. Obergeschoss), der primär Produktions- und Montagefunktionen beherbergt, und einen darüber liegenden Büroturm (3. bis 8. Obergeschoss). Der Haupteingang befindet sich auf der Westseite, direkt am neu gestalteten Südtor-Platz mit einer grosszügigen Baumgruppe. Die zentrale Empfangshalle im Erdgeschoss erschliesst die Cafeteria, Konferenzräume, die Anlieferung sowie Teile der Assembly-Anlage. In den darunter und darüber liegenden Produktionsgeschossen werden im 3-Schicht-Betrieb diverse Artikel für den Gesundheits- und Medizintechnikmarkt hergestellt. Die oberen Etagen bieten moderne Büroflächen, Besprechungsräume und ein Testlabor.
Architektonisch überzeugt das Gebäude durch seine feingliedrige, horizontal strukturierte Fassade. Fensterbänder, opake Brüstungen sowie markante Brise-Soleil- und Photovoltaikelemente sorgen für eine dreidimensionale Tiefe und eine technisch-moderne Erscheinung. Die Fassade differenziert klar zwischen Produktions- und Büronutzung und unterstützt die städtebauliche Staffelung. Besonderes Augenmerk liegt auf dem innovativen Tragwerk: Das Gebäude verfügt über eine strukturelle Trennung zwischen Sockel- und Turmbau. Der Büroturm ruht auf einem eigenen Stützen- und Kernsystem, während die Produktionsgeschosse separat getragen werden. Diese Entkopplung verhindert, dass Vibrationen aus der Produktion in die Büroetagen übertragen werden. Die Konstruktion besteht aus einem filigranen Stahltragwerk mit Vierendeel-Trägern entlang der Fassade. Die Decken der unteren Geschosse sind aus Beton gefertigt, während in den oberen Bürogeschossen Holzdecken eingesetzt werden. Der Brandschutz wird durch Betonverfüllung oder Kammerbeton sichergestellt, sodass auf zusätzliche Verkleidungen verzichtet werden kann. Auch energetisch setzt das Projekt Massstäbe.
Die gesamte Energieversorgung erfolgt über den arealweiten Multi-Energy-Hub (MEH). Die hohe Kühlleistung, die SHL Medical für ihre Prozesse benötigt, wird durch eine Kombination aus lokaler Kälteerzeugung und Seewasserkühlung via Circulago-Netz sichergestellt. Überschüssige Abwärme aus der Produktion wird über das Fernwärmenetz an Drittnutzer abgegeben – ein Paradebeispiel für sektorübergreifende Energieeffizienz. Ein wichtiger Teil ist auch die Integration in das städtebauliche Umfeld. Der neue Südtor-Platz bildet das grüne Herzstück der Umgebungsgestaltung. Linde, Ulme und Weissbuche spenden Schatten und prägen gemeinsam mit einem Wasserbrunnen und Sitzgelegenheiten einen attraktiven Begegnungsort – sowohl für die Mitarbeitenden als auch für die Nachbarschaft. Ambitionierte Nachhaltigkeitsziele
Die öffentlich-rechtliche Vereinbarung zwischen der Stadt Zug und den Beteiligten schreibt ambitionierte Nachhaltigkeitsziele vor. Alle Akteure – von Eigentümerinnen über Mieter bis zur öffentlichen Hand – sind verpflichtet, sich an den Leitsätzen für eine zukunftsfähige Entwicklung zu orientieren. Mit dem Neubau wird der Beweis erbracht, dass Innovation, industrielle Produktion und Nachhaltigkeit in einem städtebaulich sensiblen Kontext vereint werden können. Das Projekt «SHL-Südtor» ist somit nicht nur ein architektonischer Meilenstein, sondern auch ein zentraler Baustein für die Zukunft des Tech Cluster Zug.
Uwe Guntern
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