Stadt Zug
Historische Kirche wird umfassend restauriert
Kann man doch noch essen, oder?
Von Kindheit an werden wir erzogen, den Teller fertig zu essen. Und wenn man im Restaurant Essen übrig lässt, fragt der Kellner, ob er es einpacken soll. Man könnte also meinen, die Schweiz läge obenauf, wenn es um die Vermeidung von Lebensmittelabfällen geht. In Wirklichkeit belegen wir den Spitzenplatz.
An der Europameisterschaft sind unsere Fussballerinnen im Viertelfinal ausgeschieden. Den ersten Platz hat die Schweiz dafür in einer anderen Disziplin gewonnen: im Food Waste (Lebensmittelverschwendung). Das Social Impact Unternehmen Too Good To Go will nun mit konkreten Tipps zeigen, wie auch zuhause Lebensmittelabfälle vermieden werden können. Laut dem Bundesamt für Umwelt entstehen in der Schweiz jährlich rund 2,8 Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle. Laut einem Bericht aus dem Jahr 2024 der UN, belegt die Schweiz in Sachen Food Waste damit im europäischen Vergleich einen Spitzenplatz. Während Gastronomie und Detailhandel Fortschritte erzielen, hat sich das Verhalten in den eigenen vier Wänden kaum verändert. Der Bundesrat hat darum 2022 einen Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung verabschiedet, mit dem Ziel, vermeidbare Lebensmittelverluste bis 2030 zu halbieren. Seit 2018 setzt sich das Unternehmen Too Good To Go in der Schweiz mit verschiedenen Lösungen aktiv gegen Lebensmittelverschwendung ein. So gibt es eine eigens entwickelte App, mit der die Nutzerinnen und Nutzer täglich überschüssige Lebensmittel aus Supermärkten, Restaurants und Bäckereien zu vergünstigten Preisen retten. Viele Zuger Unternehmen haben sich in die Liste eingetragen.
Aber abseits der bundesrätlichen Massnahmen und der Unternehmen, gibt es eine weitere Quelle von Lebensmittelverschwendungen: unsere Küche, unser Kühlschrank. Hier ist jede und jeder Einzelne gefordert, Verantwortung zu übernehmen und Verschwendungen aktiv entgegenzuwirken. Die Angelegenheit ist ein gutes Beispiel für eine Win-win-Situation. Die privaten Haushalte sparen Geld bei einer guten Lebensmittelplanung und die Umwelt profitiert ebenfalls. Eine Umfrage von Too Good To Go aus dem Jahr 2024 hat gezeigt, dass 16 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer Lebensmittel am Tag des Erreichens des Mindesthaltbarkeitsdatums sofort wegwerfen – ohne zu überprüfen, ob diese noch geniessbar sind. Dieses «Mindestens haltbar bis» (MHD) bedeutet aber, dass das Produkt oft noch Tage oder sogar Wochen genussfähig ist. Um das zu überprüfen, benötigen wir unsere Sinne: «Schauen – Riechen – Probieren». Nur bei «Zu verbrauchen bis» (zum Beispiel bei Fleisch oder Fisch) ist Vorsicht geboten – nach dessen Erreichen sollten Produkte nicht mehr verzehrt werden. Neben der Initiative «Oft länger gut» und konkreten Alltagstipps zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung, engagiert sich Too Good To Go auch im Bildungsbereich. Etwa mit kostenlosen Handbüchern für Kinder zwischen 6 und 11 Jahren für den Einsatz in Familien und Schulen.
Konkret können Einzelpersonen vieles ausprobieren, um den Food Waste bei sich selbst einzudämmen. Too Good To Go schlagen zwei Beispiele bei der richtigen Lagerung im Kühlschrank vor. Oben im Kühler ist es am wärmsten, hier eignen sich Käse und Gekochtes, unten ist es am kühlsten- Ideal für Fleisch und Fisch. Aufgepasst bei Gemüse wie Tomaten oder Gurken. Die sollen nicht im Kühlschrank gelagert werden, da verlieren sie nur Aroma oder werden wässrig.
Viele Betriebe im Kanton Zug helfen bei der Rettung von lebensmitteln. Es sind dies Bäcker, Metzger, Lebensmittelläden oder Restaurants. Insgesamt 20 Partnerbetriebe werden auf der Liste aufgeführt. Georg Strasser-Müller, Country Director von Too Good To Go Schweiz & Österreich, verweist denn auch auf Anfrage auf die gute Platzierung hin: «Die Zugerinnen und Zuger sind besonders vorbildlich, wenn es um die Rettung von Lebensmitteln geht. In unserem Kantons-Ranking, das die Schweizer Spitzenreiter in Sachen Lebensmittelrettung kürt, belegte Zug letztes Jahr den 6. Platz. Für dieses Ranking werden die Too Good To Go-Daten der Kantone ausgewertet und ins Verhältnis zur Anzahl der Einwohnerinnen und Einwohnern gesetzt. So wird sichtbar, in welchen Regionen besonders viele Lebensmittel gerettet werden.» Dass Zug im Kantonsranking so gut abschneidet, liege auch am breiten und qualitativ starken Angebot , das viele Gelegenheiten zur Lebensmittelrettung bietet. Man pflege in Zug zahlreiche Partnerschaften mit Betrieben, die sich aktiv gegen Food Waste engagieren. «Wir freuen uns sehr, dass unser Lösungsansatz in Zug so gut angenommen wird
und die gesamte Community unsere Mission unterstützt und damit aktiv einen Beitrag gegen die Klimakrise leistet», so Georg Strasser-Müller zur Zuger Woche.
Beni Frenkel
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