Stadt Zug
Historische Kirche wird umfassend restauriert
Gemeinderätin Simone Wigger tauft den Bohrkopf.
In Holzhäusern beginnt eine entscheidende Bauphase für die neue Regenwasser-Verbindungsleitung der Gemeinde Risch. Eine Tunnelbohrmaschine wird sich durch den Boden arbeiten –nahezu unsichtbar für die Oberfläche. Kurz vor dem Start wurde der Bohrkopf nach alter Tunnelbau-Tradition auf den Namen «Simone» getauft.
In Holzhäusern beginnt Anfang April eine neue Etappe beim Bau der Vorflutleitung Holzhäusern-Sijentalbachstollen der Gemeinde Risch. Während auf der Oberfläche nur begrenzte Bauarbeiten sichtbar sind, startet tief im Untergrund eine technisch anspruchsvolle Phase: der maschinelle Vortrieb eines unterirdischen Tunnels im sogenannten Microtunneling-Verfahren. Mit einem Bohrkopf von zwei Metern Durchmesser wird sich die Tunnelbohrmaschine in einer Tiefe von rund acht bis zehn Metern durch den Boden arbeiten. Ziel ist der Bau einer neuen Leitung, die künftig zusätzliche Kapazitäten für die Ableitung von Regenwasser schaffen soll. Kurz vor dem Start der Arbeiten wurde der Bohrkopf am 31. März im Rahmen einer kleinen Zeremonie nach alter Tunnelbau-Tradition gesegnet und auf den Namen «Simone» getauft.
Die Taufe von Tunnelbohrmaschinen hat im Tunnelbau eine lange Tradition. Dabei wird der Bohrkopf symbolisch unter den Schutz der heiligen Barbara gestellt, die seit Jahrhunderten als Schutzpatronin der Bergleute und Tunnelbauer gilt. Die Patenschaft für den Bohrkopf übernimmt in diesem Fall Gemeinderätin Simone Wigger, Vorsteherin des Ressorts Soziales und Gesundheit der Gemeinde Risch. Mit ihrem Namen steht sie symbolisch für die heilige Barbara und begleitet das Projekt als Taufpatin. «Ich wünsche dem Bauprojekt sowie den beteiligten Arbeiterinnen und Arbeitern einen sicheren und erfolgreichen Verlauf», sagte Simone Wigger bei der Zeremonie. Die Tradition, beim Tunnelbau um Schutz zu bitten, empfinde sie als schöne Geste. «Es ist mir eine Ehre, die Patenschaft für den Bohrkopf übernehmen zu dürfen.» Mit der Taufe soll symbolisch ein guter Start für die anspruchsvollen Arbeiten im Untergrund gewährleistet werden. Solche Rituale sind im Tunnelbau weltweit verbreitet und verbinden jahrhundertealte Bergbautraditionen mit moderner Ingenieurtechnik.
Beim Bau der neuen Leitung setzt die Gemeinde auf das sogenannte Microtunneling-Verfahren. Diese Bauweise gehört zu den grabenlosen Technologien und ermöglicht die Verlegung von Leitungen im Untergrund, ohne dass entlang der gesamten Strecke grosse Gräben ausgehoben werden müssen. Stattdessen wird der Tunnel von einer Startgrube aus mit einer ferngesteuerten Tunnelbohrmaschine vorgetrieben. Während sich der Bohrkopf durch den Boden arbeitet, werden hinter ihm nach und nach die Rohrsegmente eingesetzt, die später die eigentliche Leitung bilden. Der Vorteil dieser Methode liegt vor allem in den geringen Auswirkungen auf die Oberfläche. Strassen, Wege oder Grundstücke müssen nur punktuell geöffnet werden, etwa für Start- und Zielschächte. Für Anwohnerinnen und Anwohner bedeutet dies deutlich weniger Eingriffe in den Alltag als bei herkömmlichen Bauverfahren.
Die neue Vorflutleitung hat eine zentrale Funktion für die Entwässerungsinfrastruktur der Region. Sie verbindet das Gebiet Holzhäusern mit dem bestehenden Sijentalbachstollen und erweitert damit die Kapazitäten für die Ableitung von Regenwasser. Patrick Wahl, Bauvorsteher der Gemeinde Risch, betont die Bedeutung des Projekts für die langfristige Entwicklung der Infrastruktur: «Die neue Vorflutleitung verbindet das Gebiet Holzhäusern mit dem bestehenden Sijentalbachstollen und schafft zusätzliche Kapazitäten für die Ableitung von Regenwasser.» Damit werde insbesondere das Entwässerungssystem im Gebiet Rotkreuz Nord entlastet und besser auf zukünftige Anforderungen vorbereitet. Ein zentrales Ziel des Projekts ist die Verbesserung der Regenwasserableitung bei starken Niederschlägen. In Zeiten zunehmender Wetterextreme gewinnt dieser Aspekt für Gemeinden zunehmend an Bedeutung. Leistungsfähige Entwässerungssysteme sind entscheidend, um Überschwemmungen zu vermeiden und die Kanalisation vor Überlastung zu schützen.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projekts ist die konsequente Trennung von Regen- und Schmutzwasser. In vielen älteren Entwässerungssystemen werden beide Wasserarten gemeinsam abgeführt, was bei starken Regenfällen zu einer hohen Belastung der Kläranlagen führen kann. Durch die neue Leitung kann Regenwasser gezielter abgeleitet werden, während das Schmutzwasser weiterhin über die bestehenden Kanäle zur Reinigung in die Kläranlagen gelangt. Diese Trennung entlastet die Abwasserinfrastruktur und verbessert langfristig die Effizienz des gesamten Systems. Nach Angaben der Gemeinde trägt das Projekt damit dazu bei, die regionale Infrastruktur nachhaltig zu stärken und gleichzeitig den steigenden Anforderungen durch Bevölkerungswachstum und klimatische Veränderungen gerecht zu werden.
Die Bauarbeiten für das Gesamtprojekt laufen bereits seit Ende 2025. Der nun beginnende Tunnelvortrieb stellt einen wichtigen Meilenstein innerhalb des Bauprogramms dar. Voraussichtlich werden die Arbeiten am gesamten Projekt bis Herbst 2027 dauern. Während dieser Zeit kann es im Umfeld der Baustellen zeitweise zu zusätzlichem Baustellenverkehr sowie zu lokalen Einschränkungen kommen. Die Gemeinde Risch bittet die Bevölkerung um Verständnis für die damit verbundenen Beeinträchtigungen. Gleichzeitig dankt sie Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Verkehrsteilnehmenden für ihre Geduld und Unterstützung während der Bauphase.
Mit dem Start des Microtunnelings in Holzhäusern verbindet sich moderne Infrastrukturplanung mit einer alten Bergbautradition. Während sich der Bohrkopf «Simone» künftig unsichtbar mehrere Meter unter der Erde vorarbeiten wird, erinnert seine Taufe an die lange Geschichte des Tunnelbaus – und an die Menschen, die hinter solchen Projekten stehen. Wenn alles nach Plan verläuft, wird die neue Leitung in einigen Jahren einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der regionalen Entwässerungsanlagen leisten – auch wenn sie später kaum sichtbar sein wird. Denn das entscheidende Stück Infrastruktur entsteht diesmal nicht auf der Oberfläche, sondern tief darunter.
Uwe Guntern
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