Hochschulen
PH Zug verzeichnet erneut hohe Anmeldezahlen
Der Suizidschutz an der alten Brücke wurde kürzlich erhöht.
Jahrzehnte wurde über den Suizidschutz bei den beiden Lorzentobelbrücken diskutiert. Dann wurde die neue Brücke mit Schutzwänden gesichert. Bei der alten waren sie zu niedrig. Wieder verflossen untätige Jahre. Vor ein paar Wochen, 20 Jahre nach dem Regierungsratsentschluss, ist nun auch die alte Brücke sicher.
Manchmal retten bauliche Massnahmen Leben. Vor zwanzig Jahren zweifelten noch viele daran. Von der neuen und alten Lorzentobelbrücke nahmen sich jedes Jahr mehrere Menschen das Leben. Frauen und Männer. Lange wurde im Kanton darüber diskutiert, ob Schutzwände diese Schicksale verhindern können. Die Diskussion, ob Notrufsäulen oder bauliche Massnahmen Suizide verhindern können, flammt auch heute immer wieder auf. Im besten Fall ergänzen sie sich und schliessen sich nicht aus.
2005 machte der Regierungsrat der Diskussion ein Ende und verfügte, dass an beiden 60 Meter hohen Brücken Schutzwände und Notrufsäulen installiert werden sollen. Vorausgegangen war das Familiendrama in Islisberg. Ein Familienvater aus dem Kanton Aargau richtete seine Frau und Kinder hin und stürzte dannach von der Brücke in die Tiefe. Vor 20 Jahren stand Zug im nationalen Rampenlicht. In den regionalen und nationalen Medien wurde die Gesundheitsbehörde vor und nach dem Entscheid scharf kritisiert. Das Fass zum Überlaufen brachte dann der «Sonntagsblick» im Jahr 2005 mit dem Artikel «Nur der Mond schaut zu». Erzählt wurde über das Schicksal eines depressiven jungen Mannes, der sich über eine der beiden Brücken in den Tod stürzt. In der Geschichte kommen Familie, Anwohner der Brücken, Helfer, Bestatter, Pfarrer und Fachleute zu Wort.
Im Editorial fordert das Magazin die kantonalen Behörden auf, die seit langem bekannte Problematik anzugehen und Sicherheitsnetze an den Brücken anzubringen. Die Reaktion der Zuger Gesundheitsbehörde? Sie erhob Beschwerde beim Schweizer Presserat gegen die Journalisten. Auch der Fotografe wurde eingeklagt. Die Zuger Behörden argumentierten, dass man über Suizide nicht so ausführlich berichten dürfe wegen der Gefahr der Nachahmung. Der Schweizer Presserat wies die Beschwerde jedoch ab. Was genau den Zuger Regierungsrat dann dazu motivierte, bauliche Massnahmen an den Brücken anzubringen, weiss man nicht. Nur Monate zuvor liess er verkünden, dass er nichts davon halte. Wahrscheinlich war es eine Kombination der Schicksale und den vielen Medienberichten.
Die baulichen Massnahmn des Zuger Regierungsrat waren ein kluger Entscheid, dieses Urteil lässt sich im Nachhinein, gestützt auf Statistikdaten, sagen. In der Zeit vor den Schutzwänden stürzten jedes Jahr drei Menschen in den Tod, in manchen Jahren sogar mehr. 2018 kam der ehemalige Chefarzt der Ambulanten Psychiatrischen Dienste des Kantons Zug, Hanspeter Walti, in einer Evaluation zum Schluss: «Von 2005 bis 2008 liess sich ein markanter Rückgang der Suizidrate durch Sturz in die Tiefe feststellen.» Walti führte dies auf die Sicherung der Lorzentobelbrücken zurück. Ab 2006 stürzten gar keine Frauen mehr von der neuen Lorzentobelbrücke in den Tod, ab 2008 auch nicht mehr von der alten.
Bei den Männern sah es anders aus. Zwar hinderten die baulichen Massnahmen auch viele von ihnen vor ihrem unumkehrbaren Entschluss. Aber bei der alten Lorzentobelbrücke hatte der Schutzzaun nur eine Höhe von 1,8 Meter, wie die Gesundheitsdirektion auf Anfrage schreibt. Die Höhe dieses Zaunes stellte zumindest für Männer kein unüberwindbares Hindernis dar. Bei dieser Brücke stellte man deswegen weiterhin eine «Häufung von Suiziden» von Männern statt, wie es im «Bericht zur Suizidprävention im Kanton Zug» heisst. Dieser Bericht wurde noch in der Amtszeit des späteren Bundesrats Martin Pfister verfasst, Ende März 2022. Die Studie kommt zu einem widersprüchlichen Schluss. Einerseits gibt sie als mögliche Erklärung der männlichen Suizide an, dass die «Höhe der Schutzwände nicht der aktuell empfohlenen Mindesthöhe für einen gesicherten Suizidschutz entspricht». Andererseits sollten «neue innovativ technologische Massnahmen statt weiterer baulichen Massnahmen geprüft werden». Drei Jahre geschah nichts mehr bei der alten Lorzentobelbrücke. Wie viele Menschenleben hätten gerettet werden können, kann man so leicht nicht sagen. «Von 2008 bis 2024 kam es bei der Lorzentobelbrücke im Durchschnitt zu weniger als einem Suizid pro Jahr», schreibt die Gesundheitsdirektion.
Seit dem Ende der Instandsetzung der alten Lorzentobelbrücke (2023-2025) wurde nun auch der Suizidschutz verbessert. Der Schutzzaun von 1,80 Meter wurde auf 2,30 Meter erhöht. Der neue Suizidschutz besteht aus einem vertikalen Stahldrahtnetz, das durch Pfosten und ein Spannseil gehalten wird. Ausserdem wurden die Notrufsäulen erneuert. Über 20 Jahre nach dem Entscheid des Zuger Regierungsrats sind nun beide Brücken genügend gut gesichert. Dass es so weit gekommen ist, hat nicht nur mit der Einsicht der Behörden zu tun. Die Instandsetzung war wegen des schlechten baulichen Zustands der historisch wertvollen Brücke nötig gewesen. Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde «auch noch» der Suizidschutz erhöht.
Beni Frenkel
Lade Fotos..